Donnerstag, 22. November 2012

Sie sind ja gerade mal 13 Wochen alt, aber schon jetzt zeichnen sich die Fragen ab, die uns wahrscheinlich den Rest unseres Lebens begleiten werden.

"Ooooooh, sind das Drillinge?" (Äh...ja)

"War das eine Hormonbehandlung?" (Äh...nein)

"Das ist aber bestimmt viel Arbeit, oder?" (Joah, geht so, ne.)

"Schreien die auch mal alle auf einmal?" (Kommt vor.)

"Schlafen die auch mal?" (Kommt auch vor.)

"Alles Jungs?" (Jep.)

"Bekommen Sie denn Hilfe?" (Manchmal.)

"Wie schaffen Sie das denn?" (Na, so halt. Oder auch so. Oder anders.)



Wenigstens sind damit nun die Schwangerschaftsfragen abgeschlossen:

"Drillinge?! Wie stellt Ihr Euch DAS denn vor?" (Keine Ahnung. Hamwer jetzt nicht unbedingt geplant.)

"Ui ui ui, da braucht Ihr aber ein neues Auto, oder?" (Möglicherweise. Diese Frage scheint auf jeden Fall viele Menschen sehr zu bewegen.)

"Da müsst Ihr aber sicher umziehen, oder?" (Nö, füllen nun endlich unsere Wohnung bis in alle Ecken aus.)

(Fotos: Lynn)

Mittwoch, 14. November 2012

Eins kann jeder

Komisch. Seit wir mit unserer Kinderschar in der Öffentlichkeit auftreten, beobachten G. und ich zwei völlig unterschiedliche Reaktionen von Passanten. ER sieht Mitleid in den Augen der Leute nach dem Motto: "Mein Gott, die armen Eltern!" ICH aber hingegen meine, Ehrfurcht zu erkennen. So à la: "Wow. Jetzt stehen wir hier mit unserem popeligen Einzelkind und - schwuppdiwupp - fühlen sich unsere täglichen Herausforderungen auf einmal so winzig und unbedeutend an. Damm it."


Ich kenne das. Ich habe früher auch so gedacht, wenn ich Mamas mit Zwillingen oder Geschwisterkindern gesehen habe. Das war immer ein guter Moment, um nicht zu verzweifeln oder in Selbstmitleid zu verfallen. Schließlich könnte alles noch viel schlimmer sein. Heute denke ich das noch immer: Barbamolle, sag ich mir dann, stell Dir mal vor, es wären Vierlinge! Schlimmer geht immer. Alles eine Frage der Perspektive.

(Fotos: Lynn)

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Meine dritte Brust

So schade es ist, dass Wicht#3 noch nicht richtig an der Brust trinkt, so praktisch ist es doch in Fragen des Zeitmanagements. Denn derzeit gelingt mir noch das Unglaubliche: Ich schaffe es, alle drei Babies auf einmal zu stillen. Na gut, "stillen" im weitesten Sinne. #3 bekommt seine Muttermilch nämlich übers Finger-Feeding in den Bauch. Bei dieser Technik steckt man einen Finger in den Mund des Wichtes, führt im Mundwinkel einen dünnen Schlauch ein, der an einem Milchbehälter hängt und lässt das Kind nuckeln. Angeblich soll das besser sein als Fläschchen und bereitet auf das spätere Trinken an der Brust vor. Übrigens noch so ein leidiges Baby-Thema, um das ein Glaubenskrieg tobt. 


Wie dem auch sei, wir füttern #3 gerade so und ich bin sehr dankbar für meine dritte Brust. Im Idealfall schnappe ich mir alle drei, hock mich auf die Couch - Fernbedienung, Essen und Trinken in Reichweite, drapier die Kinder um mich - ebenfalls in Reichweite, staffiere Kissen um mich herum und platziere dann ein Kind nach dem anderen auf die Kissenberge. Eins links, eins rechts und anschließend #3 auf die Knie. Nach fünf Minuten Ziehen, Schieben, Hieven und Ruckeln liegen alle so perfekt, dass meine Hände frei sind und Finger-feeden können. Hört sich kompliziert an, erspart aber unheimlich viel Zeit und Nerven, da nun alle gleichzeitig fertig werden. 


Allerdings ist es auch ein Anblick, der für immer unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit bleiben wird. Die logistischen Herausforderungen dieser Unternehmung löse ich ab und zu doch auf recht abenteuerliche Weise, für die ich lieber keine Zeugen haben will. Da wird ein Baby schon mal am Schlafittchen gepackt und mit dem kleinen Finger an die Brust gehoben. Soweit spielen die Wichte noch mit, auch gewichtsmäßig. Dennoch ist mir das Dilemma bewusst, denn das zwangsläufige Scheitern dieser Triple-Fütterungen liegt schon in der Natur der Sache. Die Babys werden von Mahl zu Mahl schwerer und irgendwann ist Schluss mit lustig. 2 Kilo Mensch kann man ja noch gerade so auf der Handkante balancieren. Bei 3 oder 4 Kilo werde ich aber an meine Grenzen stoßen. Vor allem, wenn dann schon gerade zwei andere Kinder an mir hängen. Aber kein Grund zur Sorge. Damit meine Jungs groß und stark werden und mich in ein paar Jahren auf Händen tragen können, wird mir schon eine neue Masche einfallen. 

(Fotos: Lynn)

Mittwoch, 10. Oktober 2012

6 p.m. on some idle Tuesday



Manchmal wird es im Leben ganz schnell ganz ernst. Eben noch auf dem Spielplatz, lachend, locker, unbeschwert, nun auf nach Hause, und dann, mitten auf der Straße, zwischen Sportplatz und Schule: Krankenwagen, Notarzt, Intensivstation. Haarscharf an der Katastrophe vorbei. Hätte, wäre, wenn. Die nahe liegenden Gedankenspiele machen eine Gänsehaut. Hätte ich ihn nicht auf dem Arm gehabt, hätte ich in diesen Augenblicken nicht nach ihm geguckt, hätten wir uns einfach weiter unterhalten - wäre er nun... tot?


Nach einigen Tagen wird klar, es war wohl eine Hypoglykämie, ein Schock durch Unterzuckerung, die Wicht#3 fast dahingerafft hätte. Wo liegt die Schuld? Zu klein, zu schwach, zu früh. Wer hätte den Alarmknopf drücken müssen? Ich suche nach Antworten - auch und gerade deshalb, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Jetzt - 300 g schwerer, stolze 1800g insgesamt - sind wir wieder zuhause, nach einer Woche Krankenhaus und Power-Päppeln. In der ersten Nacht daheim wollten wir gar nicht einschlafen aus Angst, dass wir diesmal nicht schnell genug wären, um das kalkweiße Gesicht und den Atemstillstand zu bemerken. Wie reanimiert man einen Winzling? Das lernt man nicht im Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein, der schon Jahre zurückliegt. Sanft in den Mund pusten und mit den Fingern auf den Brustkorb drücken. 21, 22, 23. Wir schauen immer wieder ins Bettchen. Ist er noch da? Atmet er? Es wird dauern, bis ich mich nicht mehr jedes Mal, bevor ich ihn sehe, - dann Erleichterung, er lebt noch - für den Bruchteil einer Sekunde, darauf gefasst mache, ein zweites Mal in sein lebloses Gesicht zu sehen. Diesmal zu spät.



Und doch, der Alltag ist schon wieder da. Noch immer schön, noch immer machbar. Er richtet sich nach den Fütterungszeiten und dem Kita-Ende. Alles andere passt dazwischen und das passt so. Ab und zu kommen die Bilder vom "idle Tuesday" hoch, wie ein Mahnmal, eine Erinnerung jeden Moment zu genießen, denn der geliebte Alltag könnte so schnell vorbei sein. Und genießen, glaubt es oder nicht, das geht auch mit Drillingen.

(Fotos: Lynn)

Donnerstag, 20. September 2012

Vierfach Mama, halb so schlimm

Es geht. Es geht sogar gut.

Die Rumpelwichte sind nun schon vier Wochen alt und seit über einer Woche sind alle Mann und ich zuhause. Drei Wochen auf der Kinderintensivstation waren mehr als genug, und nur Wicht#3 hinkt ein wenig hinterher und muss noch fleißig aufgepäppelt werden. Aber das klappt für alle Beteiligten besser in den eigenen vier Wänden und fernab von strengen Krankenhauszeitplänen, stressigen Schwestern und überbewerteten Magensonden.

Ist es die Ruhe vor dem Sturm? Kaum einer will mir glauben, dass ich nicht auf dem Zahnfleisch gehe und besorgte Mitmenschen schauen mir tief in die Augen und suchen nach irgendwelchen Erschöpfungssymptomen. Aber es geht mir gut, ich bekomme genug Schlaf und ich finde alles noch immer super und will weder mich noch eines der Kinder umbringen. Wie lange, wie lange? Keine Ahnung, aber wer weiß, vielleicht schocken wir lässig einfach alle damit, dass der von allen Seiten angekündigte Weltuntergang bei uns nicht eintritt. Zumindest nicht 2012. Die Haushaltshilfe habe ich auf jeden Fall schon mal abbestellt. Es gab schlicht und ergreifend einfach nix für sie zu tun und sie saß in der Küche ihre Zeit ab. Ganz aus der Hand gegeben habe ich diesen Joker allerdings nicht: Sollte es in nächster Zeit doch noch stressig werden, kann ich sie jederzeit wieder anrufen.

Zum Thema Kaiserschnitt: Nicht zu empfehlen! Es ist machbar und ich will mich auch nicht anstellen, aber in Zukunft gehe ich lieber durch 10 natürliche Geburten als noch einen Kaiserschnitt zu haben. Nä, was für eine unangenehme Erfahrung, und es schmerzt noch immer, auch wenn es nun nichts im Vergleich zu den ersten Tagen danach ist. Nach meiner ersten Geburt war ich zum jetzigen Zeitpunkt schon längst wieder joggen, aber heute ist daran nicht zu denken. Es zwickt und sticht und eine ganze Partie am Bauch ist quasi noch immer taub. Und abgesehen davon war die Geburt höchst unromantisch. Ich kam mir vor wie Jesus am Kreuz bzw. auf dem Frauenarztstuhl - und das ohne Lendenschurz und vor zahlreichem Publikum. Der Sichtschutz hing mir direkt vor der Nase und während verschiedenste Substanzen in meine Vene gedrückt wurden, ruckelte man an mir rum und schließlich hörte ich für einen kurzen Moment Babygeschrei, das sich sofort von mir entfernte. Dann wurde ich noch ein bisschen verarztet und schließlich für einsame 45 Minuten in einem abgelegenen Zimmer vergessen, bevor ich endlich die drei Rumpelwichte sehen konnte. Sehen ist natürlich übertrieben, denn die drei waren hinter Atemmasken und Kabeln so gut versteckt, dass wir am ersten Tag nur vermuten konnten, dass es sich tatsächlich um unsere Babies handelt. Zum Glück war das nur eine kurze Episode.


Also: Kaiserschnitt nicht zu empfehlen - Drillinge hingegen sind nicht zu verachten. Zumindest wurde mir wenigstens am Anfang im Krankenhaus selten langweilig. Es gab ja viel zu viel zu tun. Allen voran: Stillen, wickeln, wiegen und pumpen. Ich hatte ja nicht geahnt, worauf ich mich einließ als ich ein "stillfreundliches Krankenhaus" aussuchte. Ein Ort, wo Stillberaterinnen ein strenges Regiment führen und nicht selten mit der Chefärztin verwechselt werden. Nach ein paar Tagen schien es mir, dass ich das neue Prestigeprojekt der Station wurde: Eine Drillingsmama, die alle drei Kinder stillt. Ganz schön stressig, vor allem wenn auf Biegen und Brechen ein Zeitplan eingehalten werden muss, der auf nur ein Kind ausgerichtet ist. Alles wurde besser, als die beiden Großen entlassen wurden und als "Begleitkinder" nur noch von mir betreut wurden. So konnte ich getrost auf den Zeitplan pfeifen und musste nur noch Wicht#3 vor allzu eifrigen Krankenschwestern schützen, die die Milch in den Magen drückten und sich nicht darum scherten, wenn alles nach zwei Minuten wieder herausgeschossen kam. Zum Glück waren nicht alle so. Es gab auch richtig coole, nette, lockere Schwestern, die mir sehr über die langen Tage und Nächte hinweg geholfen haben!

Und nun stehen wir unter den Fittichen der Hebammen. Ein anderer Schlag Mensch, der sehr viel Wert auf Gefühl und mütterliche Intuition legt. Das kann wiederum auch ganz schön anstrengend werden. Immerhin gehören die restlichen 23 Stunden des Tages außerhalb der Visiten ganz allein uns. Und wie man sieht bleibt noch genug Zeit für Internet und Gedanken. Für eine abrundende Pointe am Ende hingegen fehlt nun doch die Muße.

(Fotos: Lynn)

Dienstag, 21. August 2012

Morgen um diese Zeit....

...sind wir schon am Strand.
...habe ich die letzte Prüfung hinter mir.
...sind wir verheiratet.
...bin ich auf dem Weg nach Timbuktu.
...bin ich vierfache Mutter.


Komisch, wenn man den genauen Termin für eine Geburt kennt. Ich weiß zum Beispiel schon jetzt, dass die drei Stöpsel kleine Löwen mit Aszendent Waage sein werden. (Ja, wenn man irgendwann die eigene Internet-Sphäre ausgelesen hat, schaut man sich mal in anderen Ecken um und stürzt dann plötzlich in die faszinierende Diskussion, ob Kaiserschnitt-Geburten astrologisch überhaupt aussagekräftig sind. Brisant.)

Es ist ein ganz anderes Warten als bei einer natürlichen Geburt. Ein regelrechter Countdown, während das Warten auf Kind 1 ein einziger, langer Moment im Schwebezustand war, der jetzt, gleich oder später hätte vorbei sein können. Heute Nacht vielleicht? Oder doch erst in drei Wochen? Es war schön, dass dieses unsere Welt so bewegende Ereignis sich schlicht jeder Planung entzog, um mich dann irgendwann an einem Freitag um 3 Uhr nachts auf dem Sofa zu überraschen.

Jetzt schaut die Lage anders aus. Im Countdown geht es mittlerweile nicht mehr um Tage, sondern nur noch um Stunden. 18 Stunden. Dafür liegen die darauf folgenden Stunden viel mehr im Dunkeln als bei meiner ersten Geburt. Werde ich die Kleinen bald sehen können? Wie fit werden sie sein? Wie werde ich mich fühlen? Wie viele Wochen Krankenhaus liegen vor uns? Die nächste Zeit sieht vom Hier und Jetzt nicht wirklich nach Party, Freudentaumel und trautem Familienglück aus, aber dat wird schon. Wenn erstmal morgen ist, und nicht mehr so viel Zeit zum Nachdenken bleibt, geht es halt irgendwie und ist dann bestimmt auch nur halb so schlimm wie erwartet.

(Fotos: Lynn)

Mittwoch, 15. August 2012

Über Wochen bin ich auf diesen Zeitpunkt vorgeprescht, habe mich hingedacht, daraufzugelebt. Und nun ist er da.

Und ich versuche, die Stunden festzuhalten, kralle meine Finger in Minuten. Noch eine Woche. Eine Woche. Ein Donnerstag, ein Freitag, ein Samstag, ein Sonntag. Am Montag noch mal eine Maschine Wäsche, damit bis Dienstagabend alles trocken ist. Und dann ein letztes Mal die Kleinen im Bauch spüren. Ein letztes Mal schwanger sein.

(Fotos: Lynn)